Projekt: Behindertenwerkstatt

Hier ein Bericht über die von uns finanzierte Behindertenwerkstatt im Erwachsenenheim von Novinki, welche von 2008-2010 bestand und leider wegen Problemen mit der Heimleitung geschlossen werden musste.


Das Novinki-Erwachsenbehindertenheim ist ein trauriger Ort. Da gibt es geschlossene finstere Stationen, verbitterte Betreuer, Enge, Gestank und Überfüllung, Schreie, Hoffnungslosigkeit, Tod.
Und dann gibt es Daschas Werkstatt, eine klassenzimmergroße Oase, eine kleine Bastion gegen den bösen grauen Heimalltag. Nachdem der Raum jahrelang als Abstellkammer diente, hat Dascha, eine ehemalige belarussische Freiwillige, die dieses Jahr ihr Psychologiestudium abgeschlossen hat, ihn in den letzten Jahren gestaltet, eingerichtet, den Leuten zugänglich gemacht. Dank der finanziellen Unterstützung durch Kanikuli konnten Teppiche, Bälle, Werkzeuge, Malsachen, Duplosteine und vieles mehr angeschafft werden, so bietet der Raum den vielen verschiedenen Menschen die unterschiedlichsten Beschäftigungsmöglichkeiten. Sobald die Werkstatt von Dascha aufgeschlossen wird, stürzen die ersten Heimbewohner herein. Mischa erbittet sich sofort großes Papier und Stifte und fabriziert tief konzentriert Kunstwerke. Andrej setzt erstmal Teewasser auf und drückt einem zur Begrüßung eine warme Tasse in die Hand. Der Autist Zhenja setzt sich auf den gelben Teppich und fängt mit den Puppen und Teddibären ein reges Gespräch an. Wie viele andere sind die drei fast täglich in der Werkstatt. Andere Heimbewohner leben auf geschlossenen Stationen ohne Ausgang, müssen unter viel Bürokratie und Mühen herausgekämpft werden. Bisweilen holt Dascha einzelne von ihnen zu sich, so entkommen sie wenigstens für wenige Stunden ihren Stationen-Gefängnissen.
Das Prinzip der Werkstatt ist viel Eigenständigkeit. Dascha verteilt Materialien, gute Tipps und Aufgaben, hält sich aber sonst zurück und lässt viel künstlerische Freiheit. Streng wird sie nur, wenn es an Verteilung der Arbeiten wie Bodenputzen, Abwaschen und Füttern des Werkstattmeerschweinchens geht, solche Aufgaben werden von den regelmäßig Anwesenden abwechselnd erledigt.
Ab und zu findet „Unterricht“ statt, meistens eine halbe Stunde zu einem aktuellen Stichwort. So wurde in der letzten Zeit mit den Interessierten Themen wie Liebe, Gesellschaft, Homosexualität besprochen. Der Respekt und das Interesse, das ihnen selbst und ihren Meinungen und Argumenten entgegengebracht wird, ist für die meisten der behinderten Menschen eine ungewohnte Erfahrung.
Ansonsten gibt es noch Gymnastikübungen, spontanes Tanzen oder ein Nähkurs mit den Heimbewohnern, je nach Laune und Interesse.
Zu besonderen Anlässen veranstalten Dascha und ihre Leute kleine Partys mit bis zu 50 Leuten, bei denen viel gegessen, getanzt, sich verkleidet, gelacht wird. Solche Abwechslungen sind sehr wichtig für die Menschen, deren Heimleben sonst so eintönig verläuft.

Kanikuli unterstützt Daschas Werkstatt, indem es Materialien, Einrichtung und Spielsachen finanziert. Zudem können beispielsweise zu den Partys von Kanikuli-Geld Kekse und Obst gekauft werden. All diese Sachen könnte Dascha und die belarussische Seite alleine nicht bezahlen, weswegen das Engagement des Vereines an dieser Stelle sehr nötig und sinnvoll ist.

Charlotte Sautier

© 2009 kanikuli e.V.